GEDICHTE





Vergils Landschaft


Denn das Wahre ist ernst; traue der Heiterkeit nicht.

Es verblassen des Abends die Farben der Landschaft, auch der heitersten,

und sie zeigt ihre ernsten Linien,

wenn der dunkelnde Oelbaum gegen des Himmels Daemmergrau steht

eingehuellt in Unbeweglichkeit.

Unbeweglich und sehr unbewegt ist das Ernste;

die Segel der Fischerboote dort draussen,

braeunlich und schwarz, Dreieck um Dreieck,

spiegeln sich kaum noch in den stillgewordenen Fluten, in den

Fluten der Seele, und

nicht schwankt die schale der Wahrheit.

Oh das Gewesene, das sich abends herabsenkt

als Ahnung des Immerseienden.

Dann wird der Stein zum Kristall, das Tagewerk aber ruht im Ernste

zum wahren Bleiben.
Fuer F. k. 1945