Das Reisetagebuch -Teil 7-

(16) Wieder in Rothenburg

Meine Tochter, mein Mann und ich sind vom 7. August - 4. September 2007 durch Deutschland gereist.
Ich habe schon über Johannes geschrieben (sehen Sie „Das Reisetagebuch
-Teil 6-“), aber im Juli hatte er plötzlich große Herzschmerzen und ist sofort in die Klinik zur Dilatation und Stentsetzung gekommen. Deswegen hatte ich Angst, ob wir ihn noch einmal besuchen können oder nicht. Aber er ist am 14. August nach Steinach gekommen, um uns abzuholen. Ich war sehr erleichtert, als ich Johannes am Bahnhof Steinach gesehen habe. Er konnte nur langsam laufen, aber gut sprechen. Er hatte kein Problem, Auto zu fahren. Er hat uns durch die Stadt Rothenburg ob der Tauber und Detwang geführt. Nach der Führung hat er uns in sein Haus in Buch am Wald eingeladen. Friedel, seine Frau, hat zwei schöne und leckere Kuchen gebacken und guten Kaffee gekocht. Sie haben wirklich gut geschmeckt!




        <Foto26> Käsekuchen und Himbeerekuchen von Friedel

           
Foto: Nanako FUKUDA


Ich habe Johannes etwas über seinen Text „Erklärungen zu den Bilden“ gefragt. Johannes hat mir letztes Jahr diesen Text gegeben, dann hat meine Freundin, die Izumi heißt, diesen Text übersetzt. Sie konnte einige Sätze nicht gut verstehen. Deswegen wollte ich ihm einige Fragen stellen. Er hat mir alles sehr freundlich erklärt. Vielleicht kann ich jetzt Izumis Fragen beantworten. 

Ich möchte nun JOHANNES Text hier einsetzen.


     
                                                            
Erklärungen zu meinen Bildern

Die Bilder der Riemenschneider-Altäre in Rothenburg habe ich (Jahrgg. 1926) wiederholend in den letzten 20 Jahren aufgenommen. Als ehem. Amtsrat in der baden-württembergischen Liegenschafts und Bauverwaltung in Stuttgart lebe ich, Ehrenmitglied im „fotoclub stuttgart 1938 e.V.“, seit meinem Ruhestand 1983 bei Rothenburg o.d.T.
Die Altäre Nr.1-4 sind in dem Buche „Im Dunkel ist Licht“ - Die Botschaft Tilman Riemenschneiders-1995 erschienen (ISBN 3-87625-047-1). Das Buch ist inzwischen vergriffen, eine Neuauflage ist vorgesehen. Der Heiligblutaltar ist auch in der Broschüre „Heiligblutaltar von Tilman Riemenschneider-Rothenburger Sakrale Kunst Nr. 5 (mit dem Großteil derselben Bilder) veröffentlicht (ISBN 3-927374-27-X).

1. Heiligblutaltar in der Jakobs-Kirche
2. Ludwig-von-Toulouse-Altar in der Jakobs-Kirche
3. Franziskusaltar in der Franziskaner-Kirche
4. Kreuzaltar in der St. Peter und Paul-Kirche Detwang
        

Als Amateur habe ich mich jahrzehntelang mit dem Heiligblutaltar meiner Trauungskirche St. Jakob in Rothenburg o.d.T. fotografisch auseinandergesetzt. Dies führte immer stärker zu einer eigenen und anderen Seh-Weise für Aufnahmen sakraler Plastiken in Holz, die aber ebenso für Kunstwerke in Stein gültig ist. Meine Arbeiten basieren auf folgenden Überlegungen:

a) Verwendung der Aufnahmen
Die Bilder wurden nicht für Archiv-Zwecke hergestellt, sondern sollen ausschließlich der Begegnung mit der Botschaft Riemenschneiders dienen, der ein „Botschafter des Ewigen Mitten im Dunkel der Welt ist, in der die Zukunft Gottes schon begonnen hat“ (Dekan i.R. Johannes Rau). Deshalb müssen diese Bilder den Anforderungen der Gläubigen ebenso dienen wie denen der Kunstfreunde gerecht werden, die den erlebten Anblick des Originals in Postkarten, Broschüren oder Büchern so mit nach Hause tragen möchten, wie sie die große Schnitzkunst Riemenschneiders am Aufstellungsort im Original erlebt hatten.

b) Verzicht auf Blitzlicht und Kunstlicht
Ich lehne für die unter a) genannten Aufnahmen Kunstlicht und Blitzlicht deshalb ab, weil diese den Bildern eine einheitliche Licht-und Farbwiedergabe geben. Damit könnte aber der Stimmungsgehalt eines Altars oder seiner einzelnen Figuren nicht wiedergegeben werden. Allein Aufnahmen mit Sonnen-bezw. Tageslicht, das durch den Chor und die Lanzettfenstern in die Kirche scheint, sich eigentümlich mischt und das sich über die Tageszeiten auch farblich ständig verändert, kann dem Erlebnis des Betrachters in Druck-Medien gerecht werden und zwar deshalb, weil für den Gläubigen oder den Kunstfreund der reale Eindruck und das Bild identisch sind. Im übrigen wird Riemenschneider sicher auch eine solche Darstellung gemeint haben. Denn er hat nach Fertigstellung des Altar-Schreines seine an die Stadt Rothenburg gestellte Forderung durchgesetzt, die Schrein-Rückwand mit den gewünschten Lanzett-Fenstern auszustatten. Über die Lichtverhältnisse am Heiligblutaltar, die ich durch meine Überlegungen schon in den 80er Jahren erkannt und fotografisch umgesetzt hatte, schrieb Christof Trepesch in der „LINDE“ (Beilage zum Fränkischen Anzeiger für Geschichte und Heimatkunde von Rothenburg/Tbr. Stadt und Land Nr.3/1994). Durch die Beachtung und Umsetzung der Lichtverhältnisse an den Altären sowie durch jeglichen Verzicht auf fotografische Kreativität bin ich dem großen Werk Tilman Riemenschneiders gerecht geworden und der Betrachter kann sich mit der Absicht des Künstlers identifizieren.

C) Aufnahme-Standpunkte
Insbesondere die Höhe von Altären erfordern Fach-Kamera und Weitwinkel-Objektiv. Die nahe Aufstellung einer Fach-Kamera vor dem Altar beseitigt zwar die stürzenden Linien; sie kann jedoch nicht den „Kamera-Blick von unten“ zu den meist sehr hoch stehenden Figuren vermeiden. Die dadurch folgewidrige „Sicht in das Figuren-Antlitz von unten“ ist aber vom Künstler nicht gewollt. Blick und Kopfhaltung von Menschen in Gemälden oder plastischen Werken gehen fast ausschließlich vom Altar-Standort hinunter in das Kirchenschiff, wo die Gläubigen sitzen. Denn die Maler und Schnitzer hatten damals die Kopfhaltungen nicht „geradeaus“ gemalt bezw. geschnitzt, weil damit der Blick über die im Kirchen-Schiff sitzenden Gläubigen hinweggegangen wäre.“ Deshalb habe ich die Kamera auf einem Gerüst im „Schnittpunkt einer gedachten Linie vom Auge der Figur bis in die Kirchenschiff-Mitte“ entsprechend vor den Plastiken bezw. dem Altar aufgestellt. Damit wird der vom Künstler gewollten Darstellung der Kopfhaltung bezw. Blickrichtung entsprochen.“

In einer Kritik über meine fotografische Arbeit in dem nochfolgend bezeichneten Buch schrieb die Rothenburger Buchhändlerin und Schriftstellerin Eva-Maria Altemöller u.a.:
„Der kostbar ausgestattete, mehr als 200 Seiten umfassende Band „Denkmal des Ewigen in der Zeit-“700 Jahre Franziskanerkirche Rothenburg o.d.T. (1993) besticht zunächst durch die einfühlsamen, technisch brillanten Aufnahmen von Johannes Pötzsch. Wenn wir sagen, „technisch Brillant“, so heißt das umso mehr, als Johannes Pötzsch selten mit aufwendiger künstlerischer Beleuchtung arbeitet, sondern sein Motiv in natürlichem Licht einfängt. Seine Art des Sehens liegt eine im wahrsten Wortsinnne objektive Kunstauffassung zugrunde, die dem Werk und der Absicht des Künstlers ganz anders gerecht zu werden weiß, als die heute übliche Fototechnik, die ihr Objekt erbarmungslos ausleuchtet. Wenn Sie sich einmal Johannes Pötzschs meisterliche Aufnahmen der Riemenschneider-Altäre anschauen, wird der Unterschied zwischen seiner Sichtweise und jener deutlich, die man als professionell zu bezeichnen gewohnt ist. Riemenschneider hat sicher nicht an Schweinwerfer gedacht, als er für die Empore des Westchores der Jakobskirche jenen lichtdurchfluteten von Westen(!) her beleuchteten Abendmahlsaltar schuf. Johannes Pötzsch versteht es, ein Kunstwerk so wiederzugeben, wie der Betrachter es tatsächlich erlebt und wie der Künstler, der stets Standort, Licht und Perspektive mit in sein Werk einbezogen hat, es gemeint hat. Und das gelingt, weil er genau das hat, was anderen Fotokünstlern entweder völlig fehlt oder was sie nicht zu investieren bereit sind: Geduld und Gefühl nämlich.“
                                                 
     




Die folgenden 5 Bilder dokumentieren seine Auffassung von der Darstellung sakraler Kunst deshalb so, weil er dem künstlerischen Werk Tilman Riemenschneiders gerecht werden will. Das bedeutet, dass für Johannes Pötzsch hierbei fotografische Kreativität ausgeschlossen bleiben muss.
                                                    

   



       Bild 1: Heiligblutaltar (1505) im Chor der Jakobs-Kirche
                    Rothenburg o.d.T.





       Bild 2: Heiligblutaltar (1505) - Christus (Mitte) mit Judas,
                    dem Verräter (rechts)




       Bild 3: Heiligblutaltar (1505) - Johannes, mit dem Kopf auf
                    dem Schoß Christi liegend




       Bild 4: Franziskusaltar (1490) in der Franziskanerkirche in
                     Rothenburg o.d.T.




       Bild 5: Kreuzaltar (1510) in der St. Peter und Paul-Kirche in
                     Detwang


       Sämt. Fotos: Johannes Pötzsch / Ev. - Lutherische
        Kirchengemeinde St. Jakob Rothenburg o.d.T.


               
Copyright ©Johannes Pötzsch All rights reserved.
                             

     

                                   
                                 

                  
                                         

(17) Am 15. August 2007 in Creglingen

Ich habe seit letzten September auf diesen Tag gewartet, weil Johannes Pötzsch mir eine Kopie von einem Zeitungsartikel 2006 gegeben hatte, die den Sonnenschein auf der Maria-Figur des Creglinger Altars erklärt hat. Der Titel war „Lichtwunder fällt auf Marienfigur“, aber Johannes hat nicht gewusst, woher dieser Artikel gekommen ist, deswegen möchte ich nur den Auszug hier schreiben.

Der Artikel beschrieb Folgendes:
Es gibt drei bekannte Altäre von Tilman Riemenschneider in der Nähe von Rothenburg, aber am bekanntesten ist der Creglinger Altar.
Das Fest „Maria Himmelfahrt“ wird am 15. August gefeiert. An diesem Tag fällt abends das Licht der untergehenden Sonne durch eine gotische Fensterrosette in der dem Altar gegenüberliegenden Kirchengebäude-Außenwand und erleuchtet punktuell die zum Himmel hochschwebende Marienfigur des Riemenschneider-Altars und hebt sie optisch hervor .

Noch mehr hat der Artikel über die Geschichte dieses Festes erklärt, aber ich möchte weiter erzählen.
Dieser Sonnenschein kommt normalerweise um den 15. August jeden Jahres. Deshalb waren wir an diesem Tage in Rothenburg.
Johannes hat uns in Rothenburg abgeholt, dann ist er nach Schweinsdorf gefahren. Ich hatte ihn im Juli gefragt, ob er Schweinsdorf kennt oder nicht, aber er hat nicht geantwortet. In Wahrheit liegt es in der Nähe seines Hauses. Welche Bedeutung hat Schweinsdorf für Riemenschneider?
Können Sie sich an die Geschichte: „(13) Eine Marienfigur in Budapest “ erinnern? Diese Marienfigur hat einen Hinweis (sehen Sie das Foto 18 in das Reisetagebuch
-Teil 5-. unten), dann habe ich dieses Foto vergrößert und den Herkunftsnamen „Schweinsdorf“ gefunden.
Als Johannes mich informiert hat, nach Schweinsdorf zu fahren, habe ich mich sehr gefreut. Aber Johannes hat mir gesagt, dass die Kirche nur eine Replik von Maria hat und die Originalfigur in Budapest ist. Es ist sehr schade, dass diese Figur noch nicht in Deutschland zu sehen ist. Aber es war auch wichtig, diese Information zu bekommen.

Zum Mittag haben wir bei Friedel gegessen. Es war sehr gut!
Danach haben wir die Wettringer „Peter und Paul Kirche“ besucht. Hier musste Johannes ungefähr eine Stunde den Schlüssel dieser Kirche suchen und viel zu Dorf-Bewohnern laufen. Deswegen sah er müde aus und ich habe mir Sorgen gemacht. Wenn ich besser Deutsch sprechen und verstehen könnte, hätte ich den Schlüssel selbst beschaffen können! Diese Dorf-Kirche beherbergt einen wunderschönen Altar aus der Riemenschneider-Schule <Foto 27>.



       <Foto 27>  Kreuzaltar
              
Hans Beuscher - Ein Schuler von Tilman Riemenschneuders, 1515
              
Die Wettringer Peter und Paul kirche, Wettringen

Danach haben wir endlich die Herrgottskirche in Creglingen erreicht. Es war schon 17 Uhr. Die Kirche war fast voll, aber wir konnten noch Plätze bekommen. Das Wetter an dem Tag war nicht so gut. Es gab viele Wolken. Doch als das Sonnenlicht zur rechten Zeit durch das Fenster kam, konnten wir die Marien-Figur bewundern. Zuerst ist das Licht auf die linke untere Seite des Marien Retabel gefallen, dann Schritt für Schritt in die Mitte auf MARIAS ANTLITZ <Foto 28>. Ungefähr um 18 Uhr konnten wir am schönsten die Maria anschauen. Ich war sehr glücklich!
Johannes, vielen Dank für alles!


               
<Foto 28> Am 15. August 2007
          
Maria aus dem Marienaltar von Tilman Riemenschneider
                 
Herrgottskirche, Creglingen 
          
           Aufnahme: Midori FUKUDA
                    Copyright © Midori F. All rights reserved.       
                                                            



                              
   Nach sehen
    Mainfränkisches Museum Würzburg Tilman Riemenschneider
      (Stürz Verlag Würzburg)
    Tilman Riemenschneider Zeuge der Seligkeiten
       (Echter)
    Tilman Riemenschneider Werke seiner Blütezeit, Werke seiner Glaubenswelt
      (SCHNELL+STEINER)      

      Tilman Riemenschneider Master Sculptor of the Late Middle Ages
      
(NATIONAL GALLERY OF ART THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART) 
 


                       
Das Reisetagebuch -Teil 8-                  




    Ich würde mich über Ihre Informationen und Meinungen freuen. Danke schön!
                    
      
   


      

Das Reisetagebuch -Teil 7-

  Inhaltsverzeichnis

(16) Wieder in Rothenburg
(17) Am 15. August 2007 in Creglingen

 

Teil 1      Teil 2      Teil 3    Teil 4     Teil 5      Teil 6     Teil 8
                        

Deutsche