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Japan mailt an Portugal, Portugal mailt an Japan

Ein Bericht über einen Mail-Austausch zwischen einer Universität in Japan und Portugal.

von Alexander Imig (Japan) und Michael Laub (Portugal)

 

Wie alles begann

Wir, Michael Laub und Alexander Imig verabredeten zuerst persönlich (August 2005) und dann per e-Mail einen Mailaustausch, der dann auch tatsächlich stattfand.

Wir,  Michael Laub und Alexander Imig lernten uns in Bonn, bei einer Fortbildung des DAAD für Ortslektoren kennen, bei der Spezialisten des IIK in Düsseldorf Ortslektoren in Benutzung des Internets schulten.

Die Organisation von Mailaustauschprojekten war Bestandteil der Fortbildung. Die Ortslektoren lernten, dass es bisher noch keine Datenbank speziell für Austauschprojekte an Univeristäten gibt. Alle Datenbanken sind für Schulprojekte bestimmt. Die Gründe liegen in der oft anderen Organisation der universitären Sprachausbildung und wohl auch am kleineren Bedarf gegenüber dem schulischen Fremdsprachenunterrricht. Da Michael Laub positive Erfahrungen mit einem solchen Austauch mit einer ungarischen Universität gemacht hatte, schlug er einen Austausch zwichen der japanischen und portugiesischen Universität vor.

1. Ausgangssituationen

Japan: Alexander Imig betreute im Sommer- und Wintersemester 2004/2005 einen Aufsatzkurs für 11 Hauptfach-StudentInnen des dritten Jahres. Er kannte die StudentInnen des Kurses schon seit 3 Jahren. Unterrichtzeit war Donnerstagvormittag, -länge 90 Minuten. Die StudentInnen hatten Erfahrungen mit dem Schreiben von Briefen. Nach einer Abstimmung wurde das e-Mail Projekt ohne Gegenstimme angenommen

Portugal: Michael Laub betreute im Studienjahr 2005/2006 einen Deutschkurs fuer Studenten des Studiengangs der Angewandten Fremdsprachen. Die Studenten befanden sich in ihrem 2.Studienjahr, bereits im ersten Studienjahr wurden sie von Michael Laub betreut. Die Sprachkenntnisse der Kursteilnehmer unterschieden zum Teil erheblich: zwei Teilnehmer sind in Deutschland und der Schweiz aufgewachsen und sprechen somit sehr gut Deutsch, sechs Teilnehmer hatten schon drei Jahre Deutschunterricht in der Sekundarschule, drei Teilnehmer begannen erst an der Universitaet mit Deutsch. Die Studenten in Vila Real hatten an drei Tagen pro Woche Unterricht (insgesamt 5 Stunden).

Fuer die portugiesischen Studenten war dieser Mailaustausch die erste Projekterfahrung, der Kursleiter hatte bereits vor zwei Jahren mit einer Studentengruppe einen Mailaustausch mit ungarischen Deutschlernern der Universitaet Baja durchgefuehrt.

Auch in Vila Real wurde das Projekt ohne Gegenstimme angenommen, obwohl (oder gerade weil) kein Kursteilnehmer bisher einen speziellen Bezug zu Japan hatte. 

2. Projektablauf

Insgesamt wurden vier Mails gewechselt. Die erste Mail kam aus Japan. In drei Gruppen hatten die StudentInnen eine Vorstellungsmail erarbeitet. Es gab eine Vorstellung der Gruppe (12 Personen, inklusive des Lehrers), der Universität und der Stadt Nagoya. Die Mail wurde unkorrigiert von Alexander Imig am 13.10.2004 mit einer Einleitung versehen und wegeschickt

Reaktion in Portugal und Antwort:

Kurz bevor die erste Mail aus Japan in Portugal ankam, wurde eine Doppelstunde des Deutschunterrichts in Vila Real dem Thema “Japan gewidmet”. Die Studenten sammelten erste Vorinformationen zu dem Land, schilderten ihr “Japan-Bild” und hoerten japanische Musik. In dieser Unterrichtseinheit wurde klar, dass dieses Japan-Bild von Stereotypen und Klischees („alle Japaner sind fleissig und klein...“), gleichzeitig steigerte diese Unterrichtseinheit die Neugierde auf die Partnergruppe.

Die erste Mail aus Japan wurde gemeinsam mit viel Freude im Unterricht gelesen. Die portugiesischen Studenten stellten ebenfalls ihre Gruppe vor, zudem formulierten verschiedene Arbeitsgruppen kurze Texte zu ihrer Universitaet, zu Vila Real oder zur portugiesischen Esskultur (“Wir haben auch eine reiche Suessspeisenkultur, wir essen mit Gabel, Loeffel und Messer.”). Daran schlossen sich Fragen an die Partner in Japan an.

Auf die Fragen der StudentInnen aus Portugal antworteten die StudentInnen individuell. Der Lehrer schrieb zu der Mail eine kurze Einleitung und die Grussformel.

Die nächste Mail ging wieder von Japan aus. Alexander Imig erarbeitete mit den StudentInnen Assoziationen zu der vorangegangen Mail, aber auch zu Portugal und  zu Fragestellungen in Japan: Daraus wurden dann Informationen zur Situation in Japan gegeben und Fragen zur Situation in Portugal gestellt. Die von den StudentInnen ausgewählten Themen waren: Esskultur, Deutschlernen, Reisen, Wetter Erdbeben und Geldscheine. Die letzten beiden Themen spiegelten japanische Geschehnisse wieder (das Erdbeben in Niigata 2004 und die Einführung neuer Geldscheine).

Antworten und Fragen aus Portugal: Die uns gestellten Fragen wurden in kleinen Arbeitsgruppen beantwortet. Dabei zeigte sich, dass die Studenten nicht nur Freude daran hatten, eine Partnergruppe in Japan zu haben, sondern daran Textsorten einzuueben, die sie in dieser Form in ihrem spaeteren Berufsleben auch erstellen muessen (z.B. in der Tourismusbranche).

Die letzte Mail war der Frage nach Erdbeben in Japan gewidmet. In Gruppenarbeit stellten die japanischen StudentInnen Zusammenhänge zwischen Erdbeben und dem japanischen Alltagsleben vor. Es gab etwas zur Geschichte von Erdbeben, zu Erdbebenuebungen und vorsorge und auch ein Erfahrungsbericht zum Erdbeben in Kobe.

Diese letzte Mail wurde von den portugiesischen Studenten mit besonderem Interesse gelesen (“Wie ist das Gefuehl dort zu leben, wo es viele Erdbeben gibt?”, “Nein, hier gibt es nicht ungewöhnliche Wetter wie die Tsunami oder Taifuns. Wir haben viel Glück!”). Zwar zog man sofort einen Vergleich zu dem katastrophalen Lissabonner Erdbeben 1755, doch spielt das Thema “Erdbeben” im portugiesischen Alltag keine Rolle.

3. Nach dem Projekt: Reflexionen, neuer Anlauf

Diese 4 Mails haben die Motivation der StudentInnen erheblich gesteigert, ohne dass andere Projekte darunter gelitten haben. Die Befürchtung von Alexander Imig, dass durch die Beschäftigung mit den e-Mails für die Erarbeitung anderer Textsorten nicht genügend Raum bleiben könnte, erwies sich als unbegründet.

Auch von portugiesischer Seite kann bestaetigt werden, dass dieses Projekt eine den “traditionellen” Unterricht unterstuetzende Komponente war. Vielmehr lassen sich durch solch eine Partnerschaft Textsorten ideal in die Praxis umsetzen.

Bisher hat das Projekt leider keine Fortsetzung gefunden. Alexander Imig unterrichtet zur Zeit einen Kurs Aufsatz 1 (mit StudentInnen) im 2. Jahr, die noch teilweise grosse Probleme im Briefeschreiben haben. Dieser Kurs kann erst im Wintersemester mit dem Briefe bzw. Mailschreiben beginnen. Eine Weiterführung durch Kollegen die einen Aufsatz 2 Kurs unterrichten wurde aus verschiedenen Gründen bisher nicht realisiert.

Gerne wird auch die portugiesische Seite das Projekt fortsetzen. Ob dies mit derselben Gruppe der Fall sein wird, steht jedoch noch nicht fest. Erfreulich wäre jedenfalls, wenn sich im Anschluss an eine Partnerschaft individuelle Mailpartnerschaften zwischen den Kursteilnehmern entwickeln wuerden.

Positiv ist sicherlich auch, dass die Studenten durch diesen Austausch und dem damit verbundenen Perspektivwechsel eine objektivere Sichtweise auf die deutschsprachigen Laender bekommen koennen (der Blick auf Deutschland von zwei Seiten stand bisher nicht im Mittelpunkts des Projekts „Nagoya-Vila Real”); darueberhinaus  diente dieses Projekt dazu, sich Gedanken ueber das eigene Land zu machen und es einer “fremden” Partnergruppen vorzustellen – und das im DaF-Unterricht!

Ausblicke

Eine zunehmende Vernetzung wäre wünschenswert um aus einem Pool von solchen Projekten schöpfen zu können. Hier könnte ein möglicher Schritt eine staerkere Vernetzung der regionalen Lektoren-Arbeitsgruppen sein. Die meisten dieser Arbeitsgruppen haben ihre eigenen Websites, dort könnte man problemlos Links zu anderen Gruppen einfügen.

Eine völlige Institutionalisierung ist sicher nicht möglich, persönliche Kontakte und damit auch Sympathien werden weiterhin wichtig bleiben. Interessant wäre es jedoch an einer Stelle verschiedene Kontakte zwischen Japan und Europa zu bündeln um mehrere Projekte dieser Art an verschiedenen Universitäten zu ermöglichen. Auch ein didaktischer Austausch wäre dann wünschenswert.