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Interview
 
 Interview mit Andreas Hentrich [日本語]

Datum des Interviews: 24. Okt. 2007

 Ort: OAG-Zentrum in Kobe

  1963
  1987-1990
  seit 1990



  2007
 in Wuppertal geboren
 Ausbildung zum Gemälderestaurator
 freischaffender Künstler

 Atelier in Köln

 Studienaufenthalt in Kobe, Japan


  19.-25. Nov. 2007 Ausstellung in OAG-Haus Tokyo
                Ausstellungeinladung(PDF 151KB)


Als erstes möchte ich Sie fragen, was der Zweck Ihres Japanbesuchs ist?

 Ich möchte hier eine Ausstellung vorbereiten. Und der Grund, warum ich nach Japan gekommen bin, ist, dass ich Interesse an Japan im Allgemeinen habe, am Land, der Sprache und der Kultur. Nach meinem letzten Japanbesuch hat sich in mir der Wunsch entwickelt, einmal für längere Zeit in Japan zu wohnen. Also, ich wollte mehr sein, als ein Tourist. Ich wollte eine längere Zeit hier sein, um den japanischen Alltag etwas genauer kennenzulernen.

 Ach so, das alltägliche Leben in Japan.

 Genau, das alltägliche Leben. Und ich wollte mich nicht als Tourist fühlen, sondern als Teil der Gesellschaft. Und um meinen Aufenthalt sinnvoll zu gestalten, habe ich mir überlegt, dass es gut wäre, wenn ich hier das mache, was ich auch in Köln mache, also malen, und wenn es geht, auch noch eine Ausstellung organisiere. Ich habe eine wenig Glück gehabt. Über Kontakte bin ich an dieses Haus gekommen, ans OAG-Haus (Studienzentrum und Gästehaus der Deutsch-Ostasiatischen Gesellschaft). Als zweiten Schritt habe ich Kontakt aufgenommen zum Ausstellungsmacher in Tokyo, der die Ausstellungen im dortigen OAG-Haus organisiert.

 Ich verstehe.

 In Köln gibt es das Japanische Kulturinstitut. Dadurch habe ich sehr viel über Japan erfahren. Es gibt viele Filme, kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen. Und man lernt sehr viel über das Land. Dort habe ich vor einem Jahr auch einen Sprachkurs angefangen.

 Ach so, Sie lernen Japanisch erst seit einem Jahr. Trotzdem sprechen Sie gut Japanisch.

 Ja, ich wollte mich gut vorbereiten für meinen Aufenthalt hier, damit ich mich mit Japanern unterhalten und Fragen beantworten kann. Nur wenn man die Sprache ein wenig beherrscht, kann man aus der Rolle des Touristen heraustreten und in die Rolle eines Gesellschaftsmitgliedes eintreten. Das war meine Idee. Aber Japanisch macht mir sehr viel Spaß.





 Und warum sind Sie Maler geworden?

 Zu Anfang wollte ich einen ganz „normalen“ Beruf erlernen. Ich interessiere mich schon von Jugend an für Kunst und Malerei. Ich mag Museen. Meine Idee war, einmal an einem Museum zu arbeiten. Und dann habe ich überlegt, welche Berufe es an einem Museum gibt. Ich bin auf die Idee gekommen, Gemälderestaurierung zu lernen. Also habe ich zuerst eine Schreinerlehre gemacht und erst danach konnte ich eine Ausbildung als Gemälderestaurator beginnen. (1987-90)
 
 Aber während meiner Ausbildung zum Restaurator habe ich gemerkt, dass ich zwar in diesen Beruf sehr viel investieren muss, nämlich Geduld, Motivation, ein gutes Auge, ein gutes Farbgefühl, aber leider gab mir der Beruf nichts zurück. Ich habe eine falsche Vorstellung von diesem Beruf gehabt. Wahrscheinlich wäre ich ein guter Restaurator geworden, aber der Beruf hat mich nicht zufriedengestellt. Das habe ich während der Ausbildung gemerkt.

 Und als die Ausbildung zu Ende war, habe ich im selben Moment, in dem ich wusste, was ich nicht machen möchte, nämlich restaurieren, erkannt, was ich machen möchte, nämlich eigene Motive malen. Bis 1990 habe ich keine eigenen Bilder im Kopf gehabt oder das Bedürfnis, mich künstlerisch zu äußern. Ich habe schon gemalt. Ich habe auch nach Fotos gemalt. Aber das waren Aufträge, Porträts oder Landschaften, für andere Leute. Aber nicht meine Motive. 1990 war ein Schnitt. Da wusste ich, jetzt habe ich eigene Bilder, die ich malen möchte. Mich interessierten bestimmte Formen, Linien und Farben im Alltag, Alltagszenerien.

 Ist der Alltag Ihr Leitmotiv?

 Am Anfang habe ich mit Alltagsszenen begonnen. Dies ist ein ganz klassisches Thema in meinem Stil, dem Fotorealismus. Nach ein paar Jahren habe ich begonnen, mir selber bestimmte Bildwelten zu erfinden, also Szenen in meinem Atelier zu inszenieren.

 Das heißt, ich bin einen Schritt weggegangen von meinem Alltag, habe aber immer noch alltägliche Dinge verwendet, zum Beispiel Einmachgläser. Ich habe die Gläser genommen und unterschiedliche Dinge hineingetan. Je nachdem, was in dem Glas drin ist, verändert sich dessen Aussage, aber auch die Aussage des Glases. Also einmal ist das Glas wie ein Aufbewahrungsort, einmal wie ein Gefängnis, ein anderes Mal einfach nur Präsentationsfläche und die Bedeutung der Dinge, die in dem Glas sind, verändert sich gleichermaßen. Seitdem arbeite ich eigentlich konzeptuell.


 Mittlerweile, seit dem Jahr 2000, arbeite ich am Thema „Objekte“. Die Grundidee in diesem Konzept ist, dass ich einen Raum gestalte. Einen abstrakten Raum, der eigentlich nur definiert wird durch die Objekte, die ich darstelle, Dekorationsobjekte, Kugeln oder andere Gegenstände und ihre Schatten. Es gibt keinen Hintergrund, sondern nur eine helle Fläche, darauf befinden sich Formen. Diese dargestellten Gegenstände korrespondieren miteinander. Sie bilden ein Verhältnis zueinander. Wenn man fünf Kugeln hat, gibt es vielleicht eine Dreiergruppe und eine Zweiergruppe, die miteinander kommunizieren. Das ist eine spannende Idee, mit der ich spielen kann.





 Ach, so. Sie meinen die Kugelbilder.

 Genau. Aber diese Formen sollen nicht an etwas erinnern, was eine bestimmte Alltagsbedeutung hat, sondern ich möchte ein abstraktes Bild komponieren. Jedoch auf realistische Art und Weise. Meine Bilder sollen in der Ausstrahlung einfach, klar und harmonisch sein. Dazu benutze ich bestimmte Formen, Grundformen, die auch wiederum diese harmonische Ausstrahlung haben. Kugeln zum Beispiel sind gut geeignet. Eine runde Form ist einfach eine perfekte Form. Und auch wenn ich bestimmte Farben benutze, also warme Töne, hat man dieses Empfinden, ein Gefühl von Harmonie von Ruhe. Also, ich stelle mir vor, dass meine Bilder vielleicht auch helfen können, den Alltagsstress etwas zu reduzieren, wenn man sie betrachtet.

 Als ich Ihre Bilder gesehen habe, habe ich mich ruhig gefühlt, keine Bewegung, kein Chaos, einfach Stille.

 Das ist noch eine andere Idee von mir. Ich nenne das „künstlerischen Mehrwert“. Ich möchte meinen Bildern einen künstlerischen Mehrwert geben.

 Künstlerischen Mehrwert?

 Das heißt, ein Bild an der Wand ist in erster Linie Dekoration. Aber ich überlege, wie Bilder aussehen können, die im Alltag des Betrachters noch eine zusätzliche Bedeutung bekommen können. Zum Beispiel Stressabbau.

 Das ist ein gutes Beispiel.

  Ich möchte Bilder malen, die nicht nur vom Auge ins Gehirn gehen, sondern vom Auge zum Bauch. Die Bilder sollen gefühlt werden. Ich möchte, dass meine Bilder zusätzlich zu ihrer Präsentation noch einen anderen Wert haben für den Betrachter. Das ist die Idee dahinter: wie kann ich ein Bild länger haltbar machen. Das ist schwierig. Zum Beispiel habe ich diese runden Bilder gemalt, mit Naturmotiven. Diesen runden Bilder sind an der Wand drehbar. Dadurch kann der Betrachter zu jeder Zeit das Bild neu entdecken. Auch das ist eine Möglichkeit, wie ich Kunst, ein Bild länger „frisch“ halten kann. Man kann eine immer neue Sichtweise entdecken.

 Und wie ist Ihr alltägliches Leben in Deutschland?

 Also, ich brauche auch Regeln in meinem Alltag. Das ist für mich wichtig. Mein Alltag ist sehr strukturiert. Ich stehe fast immer zur gleichen Zeit auf, morgens um sieben Uhr, und fahre dann in mein Atelier. In der Regel arbeite ich von neun bis fünf oder sechs Uhr. Entweder male ich oder ich muss andere Dinge vorbereiten. Mein Atelier ist ca. 45qm groß, ich habe dort ein Lager, ein Büroecke und den Raum, in dem ich male. Eigentlich arbeite ich immer für die nächste Ausstellung. Ich mache im Jahr zwei bis drei Ausstellungen und habe deswegen immer ein Projekt oder ein Ziel, auf das ich hinarbeite. So, wie andere Leute auch zu ihrem Arbeitsplatz gehen, fahre ich jeden Morgen in mein Atelier und abends wieder zurück.



 -Und wie lange brauchen Sie, um ein Bild zu malen?

 Also, im Schnitt kann man sagen, für ein Ölbild etwa einen Monat und für ein Aquarell ein bis zwei Wochen. Es kommt sehr darauf an, wie viele Details auf dem Bild zu sehen sind. Durch die Vorzeichnung entstehen viele kleine Felder, die ich mit Farbe ausfülle. Während ich male, ist alles nur Farbfeld für mich. Also, während des Malens denke ich abstrakt, nicht realistisch. Ich denke in Farbdimensionen. Und je mehr von diesen kleinen Farbfeldern es gibt, desto länger dauert es natürlich.

 -Können Sie uns etwas über Ihre Tokyo-Ausstellung erzählen?

 Also, ich zeige 15 Aquarelle zum Thema Bambus. Ich habe ein traditionelles japanisches Motiv für diese Tokyo-Ausstellung gewählt, um eine Verbindung zu meinem Aufenthalt hier herzustellen. Für mich war es wichtig, dass ich etwas Besonderes für meine Zeit hier und für die Ausstellung male. Ich habe das Thema „Bambus“ gewählt, da es ein traditionelles asiatisches Bildthema ist, und  versucht, dieses Motiv mit meiner Vorstellung von Raumgestaltung zusammenzubringen.

 Also, dieser Bambus passt vielleicht auch in das „Objekte“-Konzept. Denn es gibt auch hier keinen realen Hintergrund, es sind keine naturalistischen Bilder, sondern der Bambus ist zwar als Bambus zu erkennen, ist aber auch Linie und Struktur. Wenn man diese Bilder ansieht, dann hat man vielleicht ein ähnliches Gefühl, wie wenn man alte japanische Bambusbilder ansieht. Auch hier ist die Malerei oft stilisiert und strahlt Ruhe und Klarheit aus. Diese 15 Bilder habe ich in Deutschland vorbereitet, aus Zeitgründen, um genug Bilder für die Ausstellung zu haben. Das ist also deutscher Bambus.

 Das zweite Thema, welches ich hier in den drei Monaten bearbeite, beschäftigt sich mit dem Ort, an dem ich bin, nämlich Kobe und die Idee dahinter ist, diesen Alltag, den ich erleben möchte, auch zu thematisieren, d.h. einfache, normale Begebenheiten im japanischen Alltag darzustellen. Das kann eine Straßenszene sein oder eine Szene im Tempel, Menschen in Chinatown, der Hafen in Kobe u.s.w..
 Ich habe mich inspirieren lassen von gewissen Dingen um mich herum in meinem Alltag. Also genau wie früher am Anfang meiner Malerei, habe ich meine Motive über die Inspiration gefunden. Dies nenne ich „dokumentarischen Fotorealismus“. Es ist nichts konstruiert oder inszeniert.




 Wenn Japaner, zum Beispiel Studenten, nach Köln fliegen, was können Sie empfehlen?

 Zuerst natürlich den Dom. Wer sich für Kunst interessiert, kann in Köln das Museum Ludwig besuchen. Dieses Museum zeigt moderne Kunst nach 1950 inklusive einer Picassosammlung. Dann gibt es das Wallraf-Richartz-Museum. Dort gibt es alte Kunst vom Mittelalter bis 1930 zu sehen. Dann empfehle ich selbstverständlich das Ostasiatische Museum mit dem gegenüberliegenden Japanischen Kulturinstitut.

 So, was gibt´s noch: es gibt einen botanischen Garten und den Zoo. Ja, und wer viel Zeit mitbringt und sich für moderne Kunst interessiert, kann ein Faltblatt bekommen, in dem ca. 80 Galerien aufgeführt sind, die moderne Kunst zeigen. In Köln kann man auch eine Schiffahrt auf dem Rhein machen, z.B. nach Düsseldorf.

 Ansonsten kann man in Köln gut ausgehen, in eine Kneipe oder ein Restaurant. Und es ist sehr einfach, Menschen kennenzulernen. Die Kölner sind sehr offen und wollen direkt kommunizieren.

 -Und natürlich muss man Ihre Galerie besuchen.

 Selbstverständlich soll man die Galerie „skala“ in der Lindenstraße 21 besuchen.

 
-Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview die Zeit genommen haben.


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